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Perspektiven · Pädagogik · · 2 Min. Lesezeit

Schulbegleitung wächst. Die Qualifizierung hält selten Schritt.

Die Zahl der Schulbegleitungen steigt seit Jahren. Was das für Träger bedeutet und warum Fortbildung hier kein Luxus ist.

Die Eingliederungshilfe für junge Menschen mit (drohender) seelischer Behinderung nach § 35a SGB VIII gehört zu den am stärksten wachsenden Feldern der Kinder- und Jugendhilfe. 2014 gab es bundesweit knapp 80.800 solcher Hilfen, 2024 gut 174.000. Als vermutliche Ursache nennt das Statistische Bundesamt ausdrücklich Kita- und Schulbegleitungen.1

Viele kommen ohne pädagogische Ausbildung

Eine eigene Ausbildung für Schulbegleitung gibt es nicht. Studien zeigen, dass rund die Hälfte der Schulbegleitungen keine pädagogische, therapeutische oder pflegerische Ausbildung hat und neue Kräfte oft kaum eingearbeitet werden.2, 3 Kommunen unterscheiden in ihren Vereinbarungen deshalb zwischen Fachkräften und nicht pädagogisch ausgebildeten Personen, die angeleitet werden müssen.4

Wer selbst in der Kinder- und Jugendhilfe gearbeitet hat, kennt das Bild: engagierte Menschen, die mit viel Herz in den Klassenraum gehen und dort auf Situationen treffen, auf die sie niemand vorbereitet hat. Ein Kind, das blockiert. Eine Lehrkraft, die etwas anderes erwartet. Eltern, die sich übergangen fühlen.

Fortbildung steckt in der Pauschale

Für Träger ist das eine Zwickmühle. Fortbildung und Anleitung gehören zu den vereinbarten Leistungen, ein eigenes Budget gibt es dafür meist nicht: Sie gelten mit der Pauschale als abgegolten.5 Gleichzeitig verlangen Vereinbarungen Gewaltschutzkonzepte nach § 37a SGB IX und eine Dokumentation, an der Kostenträger die Qualität prüfen.4

Was hilft

Nach meiner Erfahrung sind es selten lange Seminare, sondern kurze, gezielte Bausteine, die im Schulalltag ankommen: eine klare Rolle zwischen Kind, Lehrkraft und Eltern, Gesprächsführung für schwierige Situationen und eine Dokumentation, die Beobachten und Bewerten trennt. Online-Formate helfen Teams, die über mehrere Städte verteilt arbeiten.

Fortbildung ist hier kein Luxus. Sie entscheidet mit darüber, ob eine Schulbegleitung im Alltag Sicherheit gewinnt, und damit auch das Kind, das sie begleitet.

Sebastian Luda, Berater für Organisationsentwicklung, Dozent und Speaker

Quellen

  1. Statistisches Bundesamt (2026): Pressemitteilung N062 vom 09.09.2026.
  2. Czempiel, S. & Kracke, B. (2019): Kann das jeder? Welche Rolle spielt die Qualifikation von Schulbegleiter/innen … QfI 1(1), doi:10.21248/QfI.16.
  3. Henn, K. et al. (2014): Schulbegleitung als Beitrag zur Inklusion. Ulm.
  4. Stadt Oberhausen (2024): Merkblatt Verhandlungen Schulbegleitung.
  5. Senatorin für Soziales Bremen (2025): Leistungsbeschreibung Schulbegleitung nach SGB VIII.

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